Robert Habeck: Einfach Kokolores

Robert Habeck inszenierte sich lange erfolgreich als Politiker neuen Typs. Nun räumt er nicht nur die Gasumlage ab – sondern auch sein Selbstverständnis.Robert Habeck sieht müde aus, wie er da Mitte August vor der hellblauen Wand in seinem Ministerium steht. Er und seine Leute haben in den Tagen zuvor rotiert, um die Gasumlage einzutüten, so wie sie schon seit Monaten rotieren in dieser Krise. Es sind irre Zeiten im Wirtschaftsministerium.Doch Habeck wäre nicht Habeck, wenn er deshalb nur das Nötigste für die versammelten Journalisten mitgebracht hätte. Das wäre eine schnöde Zahl, die Höhe der Gasumlage: 2,4 Cent pro Kilowattstunde. Nein, Habeck hat natürlich auch eine Botschaft dabei.Es dauert keine zwei Minuten, in denen Habeck über die "bittere Medizin" und Putins Schuld an dem ganzen Kladderadatsch spricht, bis er zum Kern kommt: "Die Alternative ist nicht keine Umlage", sagt er und reißt die Augen noch ein bisschen weiter auf. "Die Alternative wäre der Zusammenbruch des deutschen Energiemarktes gewesen und damit weiter Teile des europäischen Energiemarktes."Gasumlage – oder Chaos. Das sind in Habecks Welt damals die Alternativen. Und wer wollte da schon das Chaos wählen?Robert Habeck wird diese Sätze so oder so ähnlich in den folgenden Wochen wie ein Mantra wiederholen. Er wird mit ihnen jegliche Kritik an der Umlage und seiner Person abzubügeln versuchen. Journalisten werden die behauptete Alternativlosigkeit immer wieder hinterfragen...